Alpenglühn öffnet Aug und Herz
Mit einem weitsichtigen Konzept hat sich das kleine, feine Zürcher Optikergeschäft Alpenglühn im Zürcher Optikermarkt etabliert. Die beiden Inhaber, Kai Müller und Markus Moser, würden rückblickend nichts anders machen.
Von Yves Clausen
Als die beiden Optiker Kai Müller und Markus Moser vor 15 Jahren beschlossen, sich vom bereits verteilten Kuchen des Zürcher Optikermarktes auch ein Stück abzuschneiden, war dies nicht tollkühn, aber zumindest mutig. Als «Junge Wilde» und «Wilde Junge» wurden sie damals von der Lokalpresse betitelt, und Skeptiker bezweifelten, dass Alpenglühn in einem Markt, der von alteingesessenen Optiker-Geschäften dominiert wurde, Erfolg haben wird. «Wir wollten unkonventionelle, ausgefallene Brillen mit reifem Designanspruch in einem persönlichen und warmen Ambiente bieten», so Kai Müller zur ursprünglichen Geschäftsidee und schiebt nach «zusammen mit Leidenschaft, Fachkompetenz, Persönlichkeit und Herzlichkeit». Das Credo von damals gilt im Wortlaut noch heute, es hat offensichtlich den Schritt vom blossen Marketingversprechen zur gelebten Firmenkultur geschafft.
Mut zum Kleinen
Müller und Moser, zwei gewöhnliche und unbekannte Namen, schafften es mit ungewöhnlichem und bekanntem Brillendesign schnell, sich zu etablieren. Sie nahmen neben Klassikern wie Alain Mikli oder Chanel auch vermehrt hoffnungsvolle Jungdesigner ins Sortiment auf, etwa das inzwischen renommierte Berliner Label ic!. Im Jahr 2000 zog sich Markus Moser aus dem Tagesgeschäft zurück und widmete sich fortan dem Brillenhandel, sie arbeiten jedoch nach wie vor eng zusammen. Dem Versuch, zu expandieren haben Müller und Moser bewusst widerstanden. «Wir waren schon immer am Rüdenplatz und werden es auch bleiben, wir sind in diesem Quartier sehr verwurzelt», so Kai Müller. Die Lokalität in der Ecke des lauschigen Platzes widerspiegelt den Stellenwert, den sich das Geschäft im Zürcher Optikermarkt erarbeitet hat: Alpenglühn ist ein Nischenplayer im oberen Preissegment. Klein, persönlich und exklusiv.
20 Marken, 1000 Modelle
Vorbei an einem Ausstellungsraum mit kleinem Werkplatz gelangt man über eine Treppe hinab in einen langgezogenen, gewölbten Keller. Hier finden Liebhaberinnen und Liebhaber schönen Brillendesigns in einer unaufdringlichen, stilvoll gehaltenen Atmosphäre über 20 Marken und rund 1000 Modelle. Von Klassikern wie Starck Eyes über Trendlabels à la ic! berlin und Newcomern wie Rolf und Reiz bis hin zu ein paar populäreren Marken, darunter auch Adidas. Die Beratung ist höchst kompetent, unkompliziert und das Personal geschult im Umgang mit Geschmacksnuancen und individuellen Bedürfnissen einer anspruchsvollen Kundschaft. Man wähnt sich hier nicht wie in einem grossen Brillen-
Gemischtwarenladen, sondern viel mehr in einer kleinen Optiker-Boutique. Eine Boutique geschaffen von zwei Optikern, die auf die Frage, was sie rückblickend in ihrem Leben anders machen würden, sehr wahrscheinlich antworteten: Gar nichts. Wozu auch?
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