Bali Style Villas
Wo Drachen den Regen vertreiben
Karin Vogt stand auf der Karriereleiter. Dann kletterte sie runter – eine goldrichtige Entscheidung. Heute ist sie Teilzeit-Balinesin, knattert in den Sommermonaten mit dem Motorbike über die Insel. Und öffnet Touristen
das Tor ins Urlaubsparadies.
Von Stine Wetzel
Sie war Managerin bei einer grossen Kaffeehauskette. Für die ebnete Karin Vogt den Markteintritt in Kontinentaleuropa. Dann, Mitte 2003, die Umstrukturierung im Unternehmen. «Ich bekam das Angebot, für die Firma in den USA zu arbeiten.» Dort hatte sie bereits fünf Jahre verbracht, sich als eines der unzähligen Zahnräder in der Maschine gedreht. «Investieren, investieren», klingt es aus jeder Ecke. Investieren fand auch Karin Vogt okay, aber zur Abwechslung mal ins eigene Leben. Fünf Monate Asien, sich treiben lassen, so ihr Plan. – Daraus geworden sind anderthalb Jahre, in der ihr eine Insel das Herz aufgemacht und sie einen neuen Weg gefunden hat.
Eine Idee wird geboren
«Ich bin durch Asien gereist. Bali hat es mir besonders angetan», erzählt die gebürtige Zürcherin. «Das einfache Leben und die Gelassenheit der Balinesen hat mich fasziniert. Was morgen sein wird, ist unwesentlich, der Moment zählt. Die Leute haben sehr wenig, aber trotzdem strahlen sie.» Das scheint abgefärbt zu haben: Strahlen, das tut auch Karin Vogt, wenn sie von der indonesischen Insel spricht. – Von dem Ort, wo Drachen am Horizont flattern, um den Regen zu vertreiben. Wo Leute mit Reisigbesen vor der Haustür kehren und alles in allem unbekümmert sind. Panisch flitzen nur die Geckos in der Dämmerung aus den Ecken.
«2004 hat sich ein Freund von mir in einer Privatvilla eingemietet. Das war mein grosses Glück. Ich habe ihn dort besucht und realisiert, dass es eine Alternative zu Hotels und Bungalow-Cottages gibt.» Von da an ging alles ganz schnell. Die Idee war genial wie nahe liegend – und nicht neu. Schweizer, Deutsche, Australier, Engländer, Amerikaner, sie alle bauen Villen auf der Insel, nutzen ihr Feriendomizil aber nur einige Wochen im Jahr. Die tropische Architektur, die offene Bauweise, bringt es mit sich, dass das Objekt das ganze Jahr über gepflegt werden muss. «Das Ferienhaus im Tessin schliesse ich ab, wenn ich gehe. Wenn ich wiederkomme, gehe ich einmal mit dem Staubsauger durch und fertig. Auf Bali lassen sich die Häuser aber nicht rundherum verriegeln und das feuchte Klima kriecht sowieso durch jede Ritze.» Daher werden die Privatvillen ganzjährlich von Personal betreut. Das kostet nicht wenig. «So ist der Mietmarkt auf Bali entstanden, die Eigentümer wissen ihre Häuser gerne belebt, und kriegen so die Kosten wieder rein.» Darin sah auch die Zürcherin ihre Chance. «Auf Bali gibt es schon Agenturen, die Privatvillen vermitteln. Aber in der Schweiz ist das ein Nischenprodukt.» Im Januar 2005 gründete Karin Vogt die Firma «Bali Style Villas». Rund 20 luxuriöse Privatvillen, die im balinesischen Stil erbaut und eingerichtet sind, werden unter diesem Namen auf der ganzen Insel vermietet. Vermietet an Urlaubshungrige, die nicht mit den Touristenströmen schwimmen möchten. «Vor allem für Paare und Familien, die Privatsphäre suchen, ist die zu mietende Villa ein Glücksfall: Sie haben ausreichend Platz und einen selbstbestimmten Tagesablauf. Auch für geschäftlich Vielreisende sind die Villen etwas, weil der sonst so austauschbare Luxus hier ein ganz anderes Gesicht hat», erklärt Karin Vogt die Vorzüge der Villavariante. Das Besondere ist die Nähe zur Natur. Nirgends sonst kann man im Sessel sitzen und die Hand nach Palmenblättern ausstrecken. Oder ungefiltert das Zirpen und Zischen des Urwalds hören.
Die andere Seite der Medaille
Wenn die westliche Zivilisation die Flecken der Erde, die sich noch in Ursprünglichkeit ergehen, für ihre Erholung okkupiert, ist das einerseits eine gute Einkommensmöglichkeit für die Einheimischen. Andererseits bringt diese Welle auch Probleme mit sich. Früher warfen die Balinesen ihre Palmblattschale in die Ecke und sie ist verrottet. Heute liegt das Plastik, das mit den westlichen Urlaubern auf die Insel kam, im Graben. Plötzlich wird die Abfallentsorgung ein Thema, überhaupt: Infrastruktur. Das ist eine Seite des Paradieses, die den Touristen verschlossen bleibt. Die sehen die üppigen Reisfelder, den dichten Urwald und die Silhouette eines vulkanischen Berglandes. Dass dahinter, im Nordosten der Insel, extreme Trockenheit herrscht, die Menschen in ärmlichen Verhältnissen leben und die Kindersterblichkeit horrend hoch ist, das sehen Touristen nicht. Aber Karin Vogt. Daher engagiert sie sich in Hilfsprojekten, sitzt im Vorstand des Vereins «Zukunft für Kinder». Der Verein möchte die Lebensumstände in der Region Muntigunung im Nordosten nachhaltig verbessern. Einen wichtigen Schritt hat der Verein schon gemacht; in elf der 35 Dörfer wurde die Wasserversorgung sichergestellt. Über jedem weiteren Schritt schwebt das Credo des Vereins: Hilfe zur Selbsthilfe. Für Karin Vogt ist diese Arbeit berührend: «Ich bin so dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte, auf Bali das Business mit den Villen aufzuziehen. Mit dem Hilfswerk kann ich der Insel und den hier lebenden Menschen nun etwas zurückgeben.»
Infos
Bali Style Villas vermietet 20 bis 25 Villen samt Fünf-Sterne-Service, zu dem das Hauspersonal genauso zählt wie ein Koch und ein Fahrer.
Die grossangelegten Objekte können für mehrere Wochen aber auch nur für wenige Tage gebucht werden. Die tropischen Ferien in der eigenen Villa sind ein erschwinglicher Luxus. Im Gegensatz zum Hotel zahlt der Gast nur die effektiven Kosten und keine zusätzlichen Steuern und Servicegebühren.







