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Mode soll nicht verkleiden, ­sondern gut anziehen. Cécile Boccù und Corinne Gähwiler
Das alte Ladenlokal in Schmerikon.
Der aktuelle Standort an der St.Gallerstrasse in Rapperswil-Jona.

Mode-Trendsetterinnen

 

Cécile Mode, Jona – das steht seit 40 Jahren für persönlichen Lifestyle. Die beiden Powerfrauen Cécile Boccù und Corinne Gähwiler heben sich von anderen Modehäusern um den Zürichsee ab, indem sie es seit Jahren verstehen, die Verbundenheit mit dem Zeitgeist auf hohem Niveau zu halten.


Von Urs Huebscher

attika: Sie dürfen auf 40 erfolgreiche Jahre zurückblicken. Erzählen Sie uns aus Ihrem Leben.
Cécile Boccù: Meine Mutter war Damenschneiderin und das war auch mein Traumberuf. Meine Eltern hatten jedoch andere Pläne für mich und so absolvierte ich eine Ausbildung als Zahnarzthelferin. Nach einem Aufenthalt in der Westschweiz war ich kurze Zeit später mit 18 Jahren in Erwartung meiner Tochter. Schon früh entdeckte ich meine Liebe zu den Stoffen und Trends und hatte dann die Gelegenheit in Schmerikon ein kleines Ladenlokal zu übernehmen. Mein «Lädeli» mass damals gerade einmal 16 Quadratmeter und mit meinem kleinen Fiat ging ich in der ganzen Schweiz Kleider einkaufen.
Nach drei Jahren merkte mein Vater wie ernst es mir mit meinem Engagement war und gab mir einen kleinen Kredit. So konnte ich Schritt für Schritt meine Aktivitäten ausbauen. Das Geschäft durften wir danach aufgrund des Erfolges viermal vergrössern.

Worauf glauben Sie ist Ihr Erfolg zurückzuführen?
Sehr schnell habe ich gemerkt, dass ich auf die Leute zugehen muss, da sie mich nicht von alleine aufsuchen. So war ich in der Region die Erste, die Modeschauen mit Stars und Prominenten veranstaltete. Beispielsweise stand damals Polo Hofers Schmetterband bei mir auf der Bühne. Das war zu dieser Zeit einfach neu für die Leute. Die Modeshows wurden dann immer grösser und erfolgreicher. Aber natürlich ging es auch nicht ohne persönliche Kontakte. Um die Frauen der Region kennenzulernen war ich Mitglied im Tennisclub, im Skiclub usw. Schon zu dieser Zeit hiess das Zauberwort «Networking». Ich wollte einfach nicht warten bis ich jemandem die Tür aufmachen durfte. Mir ist es gelungen, die Kundschaft dank diesen zahlreichen Aktivitäten in mein Geschäft zu ziehen und schon damals ein bisschen ein Vorbild für die Frauen in der Region zu sein, die sich extravaganter kleiden wollten als andere. Wir haben ein Modeniveau für die spezielle Frau geschaffen, das sich von der Masse abhebt.

Zu Ihren Kunden gehört die halbe Schweizer Prominenz. Warum?
Zum Beispiel fuhr eines Tages die kürzlich verstorbene Nella Martinetti mit dem Auto vor und besuchte unser Geschäft. Von diesem Tag an war sie eine unserer treuen Kundinnen. Dies zeigte mir, dass auch Prominente auf mich aufmerksam wurden, weil wir uns eben immer von anderen Geschäften abgehoben haben. Unsere Modenschauen moderierten zum Beispiel immer Persönlichkeiten wie Kurt Zurfluh, Kurt Aeschbacher, Silvia Affolter und viele andere. Der Vorteil ist, dass sich diese namhaften Persönlichkeiten auch untereinander austauschen. So wurden wir immer bekannter. Ausserdem haben wir immer neue Konzepte für die Schauen entwickelt und alles, was in der Schweiz Rang und Namen hat, auf unsere Bühne eingeladen. Unsere Modenschauen wurden immer imposanter. Wir veranstalteten spezielle Motto-Shows. Eine davon war der «Österreicher Abend», der mit dem Zillertaler Hochzeitmarsch startete, oder der «Tessiner Abend» mit Boccalino, Trauben und Risotto auf den Tischen und vielem mehr. Die Prominenten-Liste wurde immer länger, denn wir wurden ernst genommen. Dazu gehörte aber auch Glück oder das richtige Gespür. Wurde jemand in der Schweiz bekannt, stand er meistens sehr schnell bei uns auf der Bühne. Marianne Cathomen beispielsweise wurde von uns gebucht, eine Woche später gewann sie den Grand Prix und eine Woche darauf stand sie bei uns auf der Bühne. Als Harry Hasler bei uns war, liessen Pressestimmen verlauten, dass man hoffentlich nichts mehr von diesem peinlichen Herrn hören würde. Kurze Zeit später war Harry Hasler eine Kultfigur. Ich hatte einfach die richtige Nase für all dies.


Wann und warum erfolgte der Standortwechsel?
Es gab Pläne für den Kauf der Liegenschaft mit einer massiven Vergrösserung der Ladenfläche. Unser Herzblut steckte in diesem Haus. Das Gebäude war in einem sehr schlechten Zustand, trotzdem wollten wir es kaufen. Das Schicksal meinte es aber gut mit uns. Ein riesiger Wasserschaden verhinderte 1998 den Kauf der Liegenschaft. Fast alles war defekt. Eine Woche später haben wir in Jona ein Provisorium mit der Ware und den Möbeln eröffnet, die noch neuwertig waren. Hier erlebten wir etwas Neues. Die Kundenfrequenz war besser. Wir hatten auf einmal Laufkundschaft und nicht nur Stammkundschaft. Während der vier Jahre an diesem Standort blickten wir immer nach vorne auf die Hauptstrasse und dann wurde zu unserem Glück die jetzige Liegenschaft umgebaut. Wir haben mit dem Blick in die Zukunft, dass meine Tochter das Geschäft einmal übernehmen wird, sofort zugesagt.

Am 10. September feiern Sie Ihr Jubiläum mit einer riesigen Show. Was sehen wir?
Das ist eine grosse Überraschung. Christa Rigozzi und Sven Epiney (übrigens zum zwölften Mal) moderieren und wir sind wie immer restlos ausgebucht mit Warteliste.

Corinne Gähwiler, Sie sind Tochter des Hauses und ebenfalls seit Jahren im Geschäft tätig?
Corinne Gähwiler: Für mich war es immer klar, dass ich eine Verkäuferinnen-Lehre mache, da ich ja mit dem Geschäft aufgewachsen bin. Es kam jedoch zuerst anders. Ich machte eine KV-Lehre bei einer Bank und arbeitete dann als Vermögensverwalterin. Mein Job war gut, doch nach fünf Jahren wollte ich eine Veränderung. Das Thema, dass ich im Geschäft meiner Mutter einsteige, stand ja immer zur Debatte. So stieg ich ganz langsam ein und absolvierte daneben die Textilfachschule. Das Härteste war jedoch die Akzeptanz zu erlangen, nicht nur von der Kundschaft, sondern auch vom Personal.

Wie steht es mit den Mitbewerbern?
Es gab immer viele Nachahmer. Wir haben viele gesehen, die gekommen und gegangen sind. Vor 40 Jahren gab es in der Region ein grosses Modehaus, mehr nicht. Heute kann man beispielsweise in Rapperswil verhungern, aber nicht erfrieren. Es braucht einfach Ehrgeiz, Durchhaltevermögen und man muss viel vom eigenen Leben geben. 
www.cecilemode.ch