Der glühende Norden

 

Nördlich der Stadt Zürich liegt das Glattal. Die Landschaft vom Nebenfluss des Rheins durchzogen, die Luft von startenden und landenden Flugzeugen verwirbelt, ­pulsiert die Region. attika stellt in dieser Ausgabe das aufglimmende Gebiet an der Glatt in den ­Fokus.    

 

 

Von Stine Wetzel

 

In den letzten Jahren hat sich das Glattal zu einer attraktiven Wohn-, Wirtschafts- und Erholungsregion gemausert. Dafür steht insbesondere der Glattaler Gemeindeverbund Glow ein. Die Idee zum Zusammenschluss der acht Glow-Städte und -Gemeinden wurde schon 1988 in einem Bus besprochen, als vier Herren, ihres Zeichen Stadtpräsidenten, damals auf der Jungfernfahrt der Linie 759 in Richtung Flughafen – dem Herzen des Glattals – unterwegs waren. Zwanzig Jahre später fand sich schliesslich die Gemeindekooperation «glow. das Glattal» zusammen, das Ziel vor Augen, die Region als Lebens- und Arbeitsraum weiter zu entwickeln. Visionen hat die Vereinigung viele. Jüngst machte sie die Idee eines Silicon Valley im Glattal publik. In der Netzstadt sollen die Technologie- und Kommunikationsfirmen verknüpft werden. «Wir sitzen alle auf einer Goldmine», so Eddy Van den Broeck, Geschäftsführer des Rechenzentrums Interxion, über die IT-Branche im Glattal. «Aber jeder gräbt sein eigenes Löchlein, anstatt die Kräfte zu bündeln und gemeinsam ein grosses Loch zum Gold zu buddeln.» Rund 500 IT-Unternehmen haben ihren Sitz in der Region, jeder vierte Informatiker des Kantons arbeitet im Glattal. Nun überlegen der IT-Betrieb und der Gemeindeverbund Glow die Organisation «Zurich IT Valley» zu gründen. Von der tollkühnen Vision versprechen sie sich «einen Mehrwert für die ganze Region» und einen «weiteren Standortvorteil», heisst es in der Presseerklärung. 

Glühend sind nicht nur die Ideen, auch die bereits laufenden Projekte im Glattal glimmen auf, nehmen Form an: das Richi- und das Zwicky-Areal sind zwei von ihnen.

 

Richti-Areal

Das ehemalige Industriegebiet zwischen dem Bahnhof Wallisellen und dem 1975 eröffneten Glatt-Einkaufszentrum lag zwei Jahrzehnte brach – ein Areal, das alles andere als glühte. Allreal (Immobilienportfolio und Generalunternehmer) nahm sich 2007 den kargen, desolaten 72 000 Quadratmetern an und verwirklicht derweil ein Quartier zum Wohnen, in dem auch Dienstleistung und Gewerbe angesiedelt sind. Vor über einem Jahr fiel der Startschuss. Seither wurden schon mehr als blosse Grundsteine gelegt. 170 Millionen Franken Baukapital fliessen in die Arealüberbauung. Im Sommer 2013 soll das ehemalige Industriegebiet peu à peu belebt werden. Dann werden die 1200 Bewohner in die Blockrandbauten mit fünf Vollgeschossen und einem Attikageschoss ziehen und die 3000 Arbeitsplätze in Büros und Ladengeschäften besetzt werden. Blühendes Leben, ein farbenfroher Garten, so die Vision, die die Zement- und Beton-Vergangenheit von einst verblassen lässt.

 

Zwicky-Areal

In Dübendorf, auf dem Areal der ehemaligen Seidenzwirnerei Zwicky & Co. AG, entsteht sukzessive ein urbaner Lebens- und Arbeitsraum. Ein Quartier für all jene, die Vorgeschichte unter den Füssen und an den Wänden lieben: Das Gegebene wird aufgenommen; die Grundrisse, die Raumhöhen, Parkettböden und getäferten Wände sprechen noch die Sprache der Tradition. Im Zwicky-Areal schimmern die alten Zeiten durch den Schleier des Neuen.

Mittlerweile ist es schon acht Jahre her, dass der Gestaltungsplan für das ehemalige industrielle Gebiet verabschiedet wurde. Darin war die Sanierung der alten Bauten und der Bau von neuen Gebäuden wie der einer Schule  vorgesehen. Aufgeteilt in verschiedene Baufelder und Zwei-Jahres-Etappen wird das Areal 2020 fertiggestellt sein. 

Dass man Konzepte nicht stur in die Tat umsetzen muss, scheinen die am Projekt beteiligten Grundeigentümer und Fachleute verinnerlicht zu haben. Flexibel bleiben, neuen Rahmenbedingungen ins Auge schauen – und eben den Plan ändern, wie sie es Ende letzten Jahres getan haben: «Mit der Revision möchten wir eine Aufwertung der Freiräume, und eine Optimierung der schönsten denkmalgeschützten Objekte erreichen», heisst es in der öffentlichen Auflage.

Was sich weiterhin im Glattal, der Agglomeration im Aufwind, getan hat, lesen Sie auf den folgenden Seiten. 

 

www.glow.ch

www.richti.ch

www.zwicky-areal.ch