«Golf  ist wie ein Virus»

 

Der ehemalige Banker Michel P. G. Burckhardt ist vom Golfvirus infiziert – und organisiert mit seiner Burckhardt’s Corporate Events AG die ­ZurichOpen. Das Golfturnier geht in diesem Sommer in die 20. Runde.

 

Von Stine Wetzel

 

Saftiggrüne Hügel erheben sich aus der Moorlandschaft, von einem Bachlauf durchzogen. An warmen Tagen durchschneiden hier Golfbälle die Luft, fliegen in hohem Bogen, in flacher Linie, auch ein paar verunglückte Bälle in den Krebsbach. Wir befinden uns oberhalb Horgens, im Golf & Country Club Schönenberg. Die Anlage geht auf die Kappe des 1996 verstorbenen Donald Harradine, der für seine ­Golfarchitektur bekannt war. Seit 2001 findet auf diesem Platz das zweitägige Pro-Am «ZurichOpen» statt. An beiden Tagen treten 32 Mannschaften gegeneinander an, die je aus einem Pro und drei Amateuren bestehen. In diesem Zusammenkommen liegt der Reiz des Turniers, das sich die Organisatoren 500000 Franken kosten lassen. – Ein satter Batzen für zwei Tage, aber eine formidable Organisation hat eben ihren Preis. Hinter dieser Einstellung steht Michel P. G. Burckhardt (mittig auf dem Foto). Golf ist seine Leidenschaft, die stärkt ihm wortwörtlich den Rücken, hängt schliesslich eine riesiges Bild in seinem Büro, das ihn am Abschlag zeigt. – Nach der Runde ist vor der Runde und so ist Burckhardt, kaum dass der Ball im letzten Loch verschwunden ist, bereits wieder dabei, Sponsoren zu suchen, Pros anzufragen, alles fürs nächste ZurichOpen.

 

attika: Herr Burckhardt, Sie sind der Präsident der ZurichOpen: Wenn Sie auf die seit 1992 erfolgreich organisierten Turniere zurückblicken, was hat sich seit den Anfängen geändert?

Michel P. G. Burckhardt: Das Turnier hat ganz klar an Bedeutung gewonnen. Wir haben als kleines Turnier am Bodensee angefangen und sind mittlerweile das höchst dotierte, zweitägige Pro-Am Europas. Dieses Jahr gibt es ein Preisgeld von fast 120000 Franken. Ausserdem ist unser Teilnehmerfeld internationaler geworden. In den 90er Jahren waren es fast nur Schweizer Pros und zwei oder drei Gäste aus England. Jetzt ist es umgekehrt und wir haben international bekannte Spieler wie Miguel-Angel Jimenez und Thomas Björn am Start.

 

In den letzten 20 Jahren sind Sie mit dem Turnier zweimal umgezogen. Welche Parameter waren für den jeweiligen Austragungsort ausschlaggebend?

Die ersten vier Jahre waren wir im Golfclub Bodensee-­Weissensberg zu Hause, weil ich einer der vier Gründer des Clubs bin. Dann bekamen wir Probleme mit den Sponsoren am Zoll und wir wollten auf einen Schweizer Golfplatz ausweichen. Da der damalige Presenting-Sponsor SKA aus St. Gallen kam, wurde das Turnier in dessen Einzugsgebiet nach Erlen verlegt. Vor zehn Jahren wurde Credit Suisse in Zürich Presenting-Sponsor und so zogen wir wieder um, in den Golf & Country Club Schönenberg.

 

Zufällig war Ihr Vater Jean-Pierre 1965 eines der Gründungsmitglieder des Nobelclubs...

Das ist richtig. Als wir das Turnier nach Zürich verlegen wollten, war es für mich klar, die ZurichOpen in meinem Heimclub zu veranstalten.

 

Die Pros bekommen Anreise- und Hotelkosten bezahlt. Dafür stehen sie tagsüber mit den Amateuren auf dem Platz und sind zudem vertraglich dazu verpflichtet, sich auch beim abendlichen Apéro blicken zu lassen...

Nicht nur beim Apéro, sie sind auch beim Abendessen dabei. Am Tag spielt man mit dem Pro und am Abend sitzt man neben ihm am Tisch. – Auf dem Platz hat man ja nicht die Gelegenheit miteinander zu sprechen, da konzentriert sich jeder auf sein Golfspiel. Am Abend kommt man dann in Kontakt, dabei findet sich hin und wieder ein Topbanker, der die weitere Karriere des Pros sponsert. Das ist eben das Interessante an unserem Konzept: Dass der Pro nicht gleich wieder von der Bildfläche verschwindet, sobald das Turnier beendet ist.

 

Wie kommt das Amateur-Teilnehmerfeld zustande?

Die Amateure sind Gäste der Sponsoren. Man kann sich also nicht bei uns einschreiben und die Teilnahme bezahlen. Der einzige Weg ins Turnier führt über eine Einladung durch einen Sponsor.

 

Also ein erlesenes Teilnehmerfeld, das hat einen elitären Charakter...

Golf ist nicht mehr so elitär wie einst. Dank der Migros und den Public-Courses ist der Sport für ein breiteres Publikum geöffnet worden. Gewisse Bereiche bleiben aber natürlich einem bestimmten Publikum vorbehalten. So ist es eben auch mit dem ZurichOpen, die Startplätze sind rar und begehrt.

 

Wie ist die Infrastruktur für Zuschauer?

Prinzipiell ist das ZurichOpen für Zuschauer offen. Zum Mitlaufen ist Schönenberg an einigen Stellen zu eng, aber am Abschlag neun hat man einen guten Blick aufs achte, dritte, vierte, sechste und das neunte Loch selbst.

 

Worin liegt die Faszination für Golf begründet?

Golf ist wie ein Virus, den man nicht mehr losbekommt. Es gibt vielerlei, das die Begeisterung schürt: Die Golfplätze sind meistens an den schönsten Orten. Man kann alleine, zu zweit, zu dritt oder zu viert golfen, wobei das Niveau dank dem Handicap-System unwichtig ist. Und man kann noch bis ins ganz hohe Alter spielen. Vor einigen Jahren habe ich in Crans einen Herren getroffen, der 101 Jahre alt war und sein erstes Hole-in-one gespielt hat. Ich habe also noch Zeit zum Üben. – Ein Handicap von 4,7 habe ich schon.

 

Was machte Sie, der ursprünglich Banker war, zum Organisator von Golf-Events?

Nach 15 Jahren in Grossbanken wollte ich mich als Vermögensverwalter selbstständig machen. Dann habe ich aber Pierre Fehlmann kennengelernt und seine Weltumseglung 1985/ 1986 finanziert. So bin ich ins Sportsponsoring gekommen. Dabei habe ich gemerkt, dass viele Anlässe nicht gut durchdacht sind und Details, die Teilnehmer und Gäste betreffen, oft nicht stimmen. Ich habe angefangen, selbst Anlässe zu organisieren. Eine Sportart, die ich selber gerne betreibe, lag nahe. Das ZurichOpen ist eines der Turniere, denen ich mich angenommen habe.  

 

 

 

Infos:

Die diesjährigen ZurichOpen finden im G & CC Schönenberg vom 11. bis 12. Juli, u.a. mit folgenden Pros statt: Emanuele Canonica, Neil Cheetham, Ian Hutchings, Santiago Luna und Marcello Santi.

www.zurichopen.com