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Marc Achhammer. (CEO/Direktor der BSZ Bank Sparhafen Zürich AG)
Thomas Pfenninger. (Media Relations Manager Professional von der Zürcher Kantonalbank ZKB)
Marc Wallach. (Mitglied der Geschäftsleitung der VP Bank (Schweiz) AG)

Klasse statt Masse

Private Banking, das ist die Betreuung meist gutbetuchter Kunden in Vermögensdingen. attika hat ein Auge auf die monetäre Dienstleistung geworfen und mit Experten gesprochen.


Von Peter Blattner


 Die Dienstleistungen im Private Banking wurden ständig erweitert: Es begann mit Anlagevorschlägen und einem detaillierten Depotauszug. Inzwischen werden Zieldefinitionen, Ertragserwartungen und Erfolgskontrolle definiert. Dabei wird auf die individuellen Wünsche der Kunden eingegangen, so zum Beispiel Vorgaben zur Bonität bei Anleihen oder Ausschluss nicht genehmer Branchen wie Waffenindustrie oder Gentechnik. Der Vermögensrahmen an liquiden Mitteln liegt in der Regel zwischen 100 000 und 1 000 000 Euro. Generell sind dem Private Banking zweierlei: die Vermögensberatung und die Vermögensverwaltung.
Bei der Vermögensberatung erhält der Kunde von seinem Anlageberater Vorschläge, aufgrund derer er entscheidet, wie er sein Vermögen anlegt. Bei der Vermögensverwaltung gibt der Kunde der Bank den Auftrag, sein Vermögen nach festgelegten Grundsätzen zu verwalten, ohne direkten Einfluss auf einzelne Anlageentscheide zu nehmen. Ein wichtiger Grundsatz ist die Risikoeinstufung, von steigender Bedeutung sind auch Anlagen in nachhaltige Werte, deren Rendite jener der in konventionellen Anlagen erzielten Werte durchaus ebenbürtig sind.
Die Vermögensverwaltung durch eine Bank bietet den Kunden Vorteile, die aus Zeitmangel die Führung ihres ­Portfolios nicht selber übernehmen können. Professionelle Händler beobachten laufend den Markt und die angebotenen Produkte und können daraus einen Mehrwert für den Kunden erzielen. Im Vorfeld der Mandatserteilung müssen die Ziele abgesteckt werden. Soll Einkommen oder Wachstum des Vermögens erzielt werden? Wie hoch soll die Rendite sein und welche Risiken dürfen eingegangen werden? Auch der Zeithorizont spielt eine Rolle. Wer in Bälde in den Ruhestand tritt, sollte bei seiner Anlageplanung auf Wertsicherung schauen, auch wenn dadurch die Rendite kleiner wird. Der Bankberater sollte nach seinen bisherigen Erfolgen im Investmentgeschäft gefragt werden. Wenn er auch in schwierigen Zeiten nachweislich gute Resultate erzielt hat, können seine Dienste mit gutem Gewissen in Anspruch genommen werden.
32 800 Milliarden Dollar werden nach einer Studie von Capgemini und Merrill Lynch aus dem Jahre 2009 weltweit an Vermögenswerten verwaltet. Bei den Anlegern handelt es sich um Personen, die mehr als eine Million Dollar frei machen. Dieser Personenkreis kommt in etwa gleichem Anlagevolumen aus den USA, aus Europa und dem asiatisch-pazifischen Raum. In der Schweiz sind nebst den Grossbanken auch die Kantonalbanken im Private Banking tätig, ferner die älteste Privatbank der Schweiz Wegelin & Co, die Bank Sparhafen Zürich AG und die Privatbank Maerki Baumann & Co AG, um einige weitere zu nennen. In Liechtenstein sind es die LGT Bank und die VP Bank Gruppe. Auch die DZ Privatbank (Schweiz) AG, sie ist die Privatbank des genossenschaftlichen Finanzverbundes und kooperiert mit den deutschen Volks- und Raiffeisenbanken und anderen europäischen Genossenschaftsbanken.


Das Gespräch
attika hat mit drei Experten übers Private Banking gesprochen. Red und Antwort standen uns Marc Achhammer (CEO/Direktor der BSZ Bank Sparhafen Zürich AG), Thomas Pfenninger (Media Relations Manager Professional von der Zürcher Kantonalbank ZKB) und Marc Wallach (Mitglied der Geschäftsleitung der VP Bank (Schweiz) AG).

attika: Das Private Banking ist intensiver und persönlicher als das Massenkundengeschäft.
Wie bewerkstelligen Sie das?
Marc Achhammer: Die Bank Sparhafen Zürich  teilt ihre Kunden nicht in vordefinierte, starre Kundensegmente ein, wie Retail Kunden, Private Banking oder Firmenkunden. Denn im Mittelpunkt steht immer der konkrete Kunde mit seinen ganz individuellen Bedürfnissen. Und nicht die Organisation unserer Bank. Überdies profitieren die Kundinnen und Kunden der Bank Sparhafen von einer vertrauensbildenden, hohen Konstanz in der Kundenbetreuung.
Thomas Pfenninger: Man kann am besten auf die Anlagebedürfnisse der Kunden eingehen, wenn man entlang eines strukturierten Prozesses entsprechend ihrer Risikofähigkeit und Risikoeignung ein kundenspezifisches Anlegerprofil erstellt. Der Kunde wählt dann bei der Zürcher Kantonalbank zwischen Vermögensverwaltungsmandat ( d.h. Anlagespezialisten entscheiden –, Depotbetreuung, bei welcher der Kunde sein Anlagevermögen selbst verwaltet, aber unterstützt wird, und dem aktiven Beratungsmandat als eine Art Mittelding: Hier trifft der Kunde seine Anlageentscheide selber, erhält aber von seinem Relation­ship Manager eine regelmässige Depotanalyse und Anlagevorschläge und wird auf Markttrends aufmerksam gemacht.
Marc Wallach: Bei uns haben Kunden ebenso die Wahl. Diese  kann nur persönlich motiviert sein: Die Anlageentscheide und die Portfolioüberwachung kann an uns delegiert werden oder wir unterstützen unsere Kunden mit allen relevanten Markt- und Produktinformationen, damit sie ihre Anlageentscheide selbst treffen können.

Private Banking war lange Zeit den Privatbankiers und den großen Aktienbanken vorbehalten. Seit einigen Jahren ­versuchen auch Kantonalbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken in diesen Bereich vorzustossen. Wie positionieren Sie sich da?
Thomas Pfenninger: Die Zürcher Kantonalbank ist schon seit langem im Geschäft für vermögende Privatkunden tätig. Vorwiegend im Kanton Zürich und den umliegenden Kantonen. Mit der Übernahme der Privatinvest Bank AG und deren Umfirmierung in «Zürcher Kantonalbank Österreich AG» hat sich die Zürcher Kantonalbank zudem eine ideale Voraussetzung geschaffen, um auch am Wachstum im EU-Raum teilhaben zu können. Der Hauptfokus unserer Private Banking-Tätigkeit ist und bleibt jedoch der Wirtschaftsraum Zürich.
Marc Wallach: Das Problem ist, dass Private Banking kein geschützter Begriff ist. Da muss man sich abheben. Mit exzellenter Beratung, breitem Fachwissen rund um Vermögensverwaltung und Anlageberatung, Empathie, Unabhängigkeit in der Lösungsfindung sowie internationaler Erfahrung. Darauf legen wir Wert und erhalten immer wieder internationale Auszeichnungen für unsere Beratungsqualität.
Marc Achhammer: Die Bank Sparhafen Zürich hat seit ihrer Gründung vor 160 Jahren einen genossenschaftlichen Hintergrund und steht als traditionsreiche, unabhängige und als Aktiengesellschaft organisierte Bank sämtlichen Kundengruppen aus der Schweiz mit konkretem Bezug zur Stadt und Region Zürich beratend zur Seite. Die Kombination der hohen Fachkompetenz unserer Mitarbeitenden, der über Jahre stabilen Bankbilanz, der zentralen Lage im Herzen von Zürich sowie der sehr stilvollen Bankräumlichkeiten spricht gerade auch Kundinnen und Kunden mit gehobenen Ansprüchen an.


Gibt es Vermögensgrenzen, ab denen grundsätzlich Private Banking infrage kommt?
Marc Wallach: Nein, es muss jedoch eine Balance zwischen Vermögensgrösse, Anlagebedürfnis und Dienstleistungserwartungen gefunden werden.
Thomas Pfenninger: Die ZKB bietet Private-Banking-Dienstleistungen ab einer Vermögensgrenze von rund 500 000 Franken an.
Marc Achhammer: Bei der Bank Sparhafen gibt es keine statischen Vermögensgrenzen. Aber wir empfehlen unseren Kunden erst ab einem fortgeschrittenen verfügbaren Vermögensumfang von 100 000 Franken für kollektive Anlagen wie Fonds und ETF oder ab  250 000 Franken für sämtliche Anlagekategorien einen strukturierten Vermögensverwaltungsprozess mit regelmässigem persönlichem Beratungsrhythmus.

Bieten Sie Anlagemöglichkeiten in eigene Produkte an?
Marc Achhammer: Die Bank Sparhafen verzichtet auf die Herstellung und das Angebot von eigenen Anlageprodukten. Der Kunde vertraut uns als produktunabhängige und neutrale Bankpartnerin mit Zugriff auf die komplette Auswahl an die besten im Markt verfügbaren Anlageprodukte.
Thomas Pfenninger: Ja, beispielsweise in Fonds, strukturierte Produkte, Edelmetall-ETF oder Devisenhandelsprodukte. Im Bereich der nachhaltigen Anlagen verfügt die Zürcher Kantonalbank ebenfalls über eine bankeigene Dienstleistungspalette.
Marc Wallach: Wir empfehlen Best-in-Class-Produkte, sprich sowohl bankeigene Investmentlösungen als auch Produkte und Dienstleistungen führender Finanzinstitute, die jedoch klar definierte Qualitätsanforderungen erfüllen müssen.

MyPrivateBanking ist eine Plattform für vermögende Privatkunden, die auch untereinander kommunizieren. Was halten Sie von dieser Dienstleistung?
Marc Wallach: Meines Erachtens eignet sich diese Plattform für den erfahrenen Anleger. Zudem basiert vieles auf Blogs, in denen jeder seine Meinung äussern kann. Das finde ich grundsätzlich gut, es birgt jedoch alle Chancen und Gefahren der Internetkommunikation.
Thomas Pfenninger: Virtuelle Plattformen erfreuen sich einer wachsenden Beliebtheit. Ob für eine solche Plattform auch bei uns ein Bedürfnis besteht, ist schwer zu beurteilen.
Marc Achhammer: Das Grundprinzip dieser Möglichkeit finde ich sinnvoll. Der Austausch von Informationen bis hin zur Aneignung von zusätzlichem Fach-Know-how auf virtuellen Plattformen spricht eine wachsende Bevölkerungsgruppe an. Auch die Bank Sparhafen stellt derzeit Überlegungen zu Social Virtual Networking an und hat sich zu diesem Zweck einer Branchenbenchmark-Analyse in Zusammenarbeit mit der Universität St. Gallen angeschlossen.

Herr Achhammer, für Sie könnten also soziale Netzwerke ein Thema werden. Wie halten Ihre Banken das, Herr Pfenninger und Herr Wallach?
Thomas Pfenninger: Die Zürcher Kantonalbank ist bereits heute auf verschiedenen Plattformen aktiv. In diesem Jahr werden wir unsere Social-Media-Aktivitäten weiter ausbauen.
Marc Wallach: Ich bin der Meinung, dass eine gezielte Nutzung förderlich sein, jedoch niemals das persönliche Gespräch ersetzen kann. Soziale Netzwerke sind aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. In der Bankenwelt muss der Einsatz solcher Kommunikationskanäle jedoch klar differenziert betrachtet werden.

Betreiben Sie eine Private-Banking-Website?
Thomas Pfenninger: Ja. Auf unserer Website finden sich auch Seiten zum «Private Banking», die eine Übersicht über sämtliche Dienstleistungen und Services des Private Bankings der Zürcher Kantonalbank bietet.
Marc Wallach: Da Private Banking eines der Kerngeschäfte der VP Bank Gruppe ist, sind die wichtigsten Dienstleistungen rund um Vermögensverwaltung und Anlageberatung auf uneserer Homepage ausführlich beschrieben. Zudem stehen verschiedene Informationsdienste zur Verfügung, die direkt abonniert werden können.
Marc Achhammer: Die Bank Sparhafen setzt auf das persönliche, individuelle respektive segmentsunabhängige Banking. Auch beim Auftritt im Internet.

Sind mobile Anwendungen wie Smart Phones und Tablet PCs ein Thema für Ihre Kunden?
Marc Wallach: Durchaus. Es gilt aber zu unterscheiden, ob diese Anwendungen der Infor­mationsbeschaffung dienen oder die Möglichkeit darin besteht, direkt Transaktionen tätigen zu können. Bei Letzterem stellen die Sicherheitsaspekte, wie z.B. Abhandenkommen, eine grosse Gefahr dar.
Thomas Pfenninger: Ja. Der Wunsch, von überall auf Bankdaten zugreifen zu können und die aktuellen Kurse an der Börse mitzuverfolgen, ist gross. Deshalb hat die ZKB im letzten Sommer eine App lanciert, mit welcher der Anwender das aktuelle Börsengeschehen immer und überall mitverfolgen kann. Eine Erweiterung dieser App, die zukünftig auch das Abrufen von Kontoinformationen ermöglicht, ist zur Zeit in der Pilotphase und wird voraussichtlich in diesem Frühjahr lanciert.
Marc Achhammer: Social Networking über Internet sowie mobile Anwendungen werden aus unserer Sicht in der Zukunft eine noch wichtigere Rolle - auch im Banking - spielen. Virtuelle Anwendungen und elektronische Aktivitäten ersetzen jedoch nicht den persönlichen und individuellen Austausch. Denn insbesondere der persönliche Kontakt fördert das gegenseitige Vertrauen. Und darauf legen wir in der Bank Sparhafen besonders wert.