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Die luxuriösesten Shops in Zürich liegen in der Bahnhofstrasse und ihren Seitenstrassen.

Strassenszene der New Bond Street in London.
«Maison» Louis Vuitton in der New Bond Street.
Marc-Christian Riebe ist Gründer und CEO der ­Location Group.

Zürich – London

Top-Locations im Vergleich

Zürich und London werden oft in einem Atemzug genannt. Ganz besonders, wenn es um die luxuriösesten Labels, die prachtvollsten Einkaufsstrassen, die höchsten Schlüsselgelder und Mieten geht.


Von Birthe Grautmann

Retailer wie Konsumenten zieht es in die grossen Metropolen der Welt. Hier steht die Zeit nie still und die Städte zeigen sich von den unterschiedlichsten Seiten. So wird beispielsweise London stets von royalem Flair dominiert und dennoch zieht die britische Hauptstadt Menschen mit individuellem Charakter an. Hier findet der extravagante Lebenskünstler genauso seinen Platz wie der traditionelle Banker. Die Atmosphäre in den Weltmetropolen ist geprägt von Innovation, Luxus und stetigem Wandel.
Marc-Christian Riebe von der Location Group jettet regelmässig um die Welt, um die teuersten Pflaster der Welt genauer zu betrachten und Retailer an die besten Locations zu platzieren. Mit Hilfe von Location TV und der Retail-Marktstudie der Location Group hat attika Fakten für die beiden Weltstädte in Bezug auf Shopping, Mieten, Schlüsselgelder und Lohn- und Preisniveau sowie Binnenkaufkraft zusammengestellt.

Zürich – die Spitzenreiterin
Zu einem grossen Teil ist es der Bahnhofstrasse zu verdanken, dass Zürich unter den drei teuersten Einzelhandelsstandorten der Welt rangiert – hinter New York City und Hong Kong. Zwischen Bally Capitol und Paradeplatz betragen die Mieten über 12 000 Franken pro Quadratmeter und Jahr, wobei aber auch Umsätze von 50 000 Franken pro Quadratmeter jährlich keine Seltenheit sind. Auf der Bahnhofstrasse flanieren täglich über 100 000 Passanten und ziehen an luxuriösen Geschäften wie Bulgari, Cartier, Chanel, Jimmy Choo, Hackett London, Hermès und Prada vorbei. Neben diesen «zugezogenen» Luxusboutiquen sind aber auch alteingesessene Schweizer Unternehmen an der prominentesten Einkaufsstrasse der Schweiz ansässig. Die Chronometrie Beyer verkauft hier schon seit sieben Generationen hochwertige Zeitmesser und kann seit Juli 2011 mit einer Patek-Philippe-Boutique aufwarten, neben Genf die einzige in der Schweiz. Aber auch die gut frequentierten Seitenstrassen der Bahnhofstrasse machen Zürich zu einem Mekka für Designer und Shopaholics. So findet sich beispielsweise in der Bärengasse die vergrösserte Boutique von Paul & Shark, Agent Provocateur sowie das französische Modelabel Zadig & Voltaire. Im Rennweg kann man unter anderem American Apparel, Kiehl’s, Lacoste, McGregor, Starbucks und den Thomas Sabo Shop besuchen. An der Storchengasse und am Weinplatz findet man die Geschäfte von Tom Ford, Prada, Miu Miu, Dolce und Gabbana sowie acht weitere Multibrand-Boutiquen von Trois Pommes, die allesamt von Trudie Götz betrieben werden.
Dass Zürich ein beliebtes und teures Pflaster ist, zeigt sich nicht nur darin, dass sich Umsätze in der Weltspitze befinden, sondern auch die Mieten am höchsten sind.
Aber Zürich hat nicht nur bei den Einzelhandelsstandorten die Nase vorn, auch das Lohnniveau des Zürchers ist weltweit Nummer eins, deutlich über dem der anderen Cosmopoliten. Beschäftigte in Zürich verdienen netto mehr als jeder andere auf der Welt. Die ausserordentlich hohen Bruttolöhne, gepaart mit der vergleichsweise niedrigen Abgabenlast, erscheinen als besonders arbeitnehmerfreundlich. Das sehr gute Lohnniveau schlägt sich natürlich in der Binnenkaufkraft nieder, auch hier liegt Zürich auf dem ersten Platz. Dem Zürcher bleiben daher nach Abzügen die meisten Güter. Betrachtet man nun das Preisniveau, so gehört Zürich zu den teuersten Städten für Damengarderobe. Für Herrenbekleidung liegt Zürich nur auf dem vierten Platz.

«Luxury-London»
London will mit seinem noblen Stadtteil Mayfair Städte wie Paris, Mailand, New York City und Tokio im Luxus-Shopping toppen. Dazu startete die New West End Company (NWEC), die für das Marketing rund um die Bond Street, Jermyn Street, Oxford Street und Regent Street zuständig ist, die Kampagne «Luxury-London». Die NWEC repräsentiert rund 600 Einzelhändler, von denen 300 Luxus-Stores an der Bond-Street angesiedelt sind. Hier soll in naher Zukunft der Verkehr noch stärker reduziert werden, um auch die Möglichkeit für Entertainment-Zonen zu schaffen. Diese Zonen sollen Raum für Strassen-Fashion-Shows bieten, um die Präsentation der Mode noch vielfältiger gestalten zu können.
Mayfair lässt für Shopper keinen Wunsch offen, denn die Liste der Luxus-Labels ist lang und wächst beständig. So wird Victoria’s Secret 2012 eine Boutique auf 1500 Quadratmetern an der Ecke Brooke Street und New Bond Street eröffnen. Des Weiteren lassen sich zum Beispiel die Shops von Calvin Klein, Canali, Emporio Armani, Gilly Hicks, Hermès, Miu Miu und Tory Burch besuchen. Natürlich darf auch Louis Vuitton in dem noblen Stadtviertel nicht fehlen. Louis Vuitton hat hier mehr als nur ein Geschäft errichtet. In dem «Maison» kann die luxusgewöhnte Kundschaft die Stücke des Designers in einem glamourösen Ambiente erleben. Die Fassade und die imposante Verkaufsfläche von 1500 Quadratmetern wurde von dem New Yorker Stararchitekt Peter Maroni entworfen. Die Plätze an der Bond Street sind so begehrt, dass es oft zu Bietergefechten kommt. Als der Juwelier Asprey 2010 seinen Laden neben Bulgari und Boucheron, gegenüber von Patek Philippe, räumte, überboten sich fünf Luxusketten gegenseitig, um den Standort zu ergattern. Zuschlag erhielt letztendlich Piaget. Für eine Jahresmiete von 7345 Euro pro Quadratmeter. Aber auch die anderen Strassen wie die Mount Street, James Street und Regent Street beheimaten edle Stores wie den von Carolina Herrera, Gant oder True Religion.
Im Stadtteil Knightsbridge, in dem das vornehme und berühmte Kaufhaus Harrods liegt, hat die Modekette TopShop einen grossen Flagship-Store auf 1300 Quadratmetern eröffnet. Unweit entfernt findet man den zweiten Luxury Department Store Harvey Nichols bei der Sloane Street.
Im internationalen Vergleich der teuersten Einzelhandelsstandorte liegt London auf dem fünften Platz. Hier kostet der Quadratmeter pro Jahr durchschnittlich 9263 Franken. Somit nicht unwesentlich weniger als auf der Bahnhofstrasse in Zürich. Dagegen befindet sich die britische Hauptstadt beim Lohnniveau lediglich auf dem 20. Platz, aber immer noch vor Städten wie Paris, Amsterdam, Wien und Berlin. Dieses Ergebnis schlägt sich auch im Ranking der Binnenkaufkraft nieder, denn auch hier rangiert London nur an 16. Stelle. Mit dem zehnten Platz liegt London beim Preisniveau allerdings eher im oberen Feld.

Die Location Group
Marc-Christian Riebe ist Gründer, CEO und Präsident der ­Location Group. Riebe ist in einer Unternehmerfamilie aufgewachsen und beendete im Alter von 22 Jahren die Ausbildung zum Kaufmann in der Grundstücks- und Woh­nungs­wirtschaft. Danach sammelte er ein Jahr lang Berufs­erfahrung bei Allianz Immobilien in München. Nach dem Erwerb der Fachhochschulreife auf dem zweiten Bildungsweg studierte Riebe Europäische Finanzwirtschaft und International Business Finance, in Bremen und in Leeds (England). Anschliessend arbeitete er drei Jahre lang bei Ernst & Young in Frankfurt im Transaction Support bei Due Diligence und M&A Projekten, gefolgt von eineinhalb interimistischen Jahren im Familienbetrieb.
Aufgrund der Möglichkeiten der Standortentwicklungen neuer Retail- und Shoppingflächen sowie der weiteren Herausforderung Detailhandelsunternehmen international beratend bei deren Expansion zu begleiten, wurde im Jahr 2005 die Location Group gegründet. In den vergangenen Jahren wurde die Gruppe mit grossem Erfolg zu dem führenden Beratungs- und Vermarktungsspezialisten für Einzelhandelsimmobilien und Expansionsstrategien ausgebaut.