Markus Staffelbach, Leiter Hypotheken
Dr. Stephan A. Zwahlen, Mitglied der Geschäftsleitung

Hypotheken nach Mass

 

Die Zürcher Traditionsbank Maerki Baumann & Co. AG kann auf eine über 75-jährige Geschichte zurückblicken. Neben dem Anlage- und Vermögensgeschäft ist sie auch im Hypothekarmarkt tätig. Dr. Stephan A. Zwahlen, Mitglied der Geschäftsleitung, und Markus Staffelbach, Leiter Hypotheken, äussern sich über das vielseitige Angebot in diesem Bereich.

 

Interview: Peter Blattner

 

Herr Zwahlen, was zeichnet Ihr Institut gegenüber ­anderen Anbietern im Finanzbereich aus?

Dr. Stephan A. Zwahlen: Als Unternehmen in Familienbesitz verfolgt Maerki Baumann langfristige Ziele und ist in jeder Hinsicht unabhängig. Damit sind wir keinen kurzfristigen Erwartungen der Marktteilnehmer unterworfen. Zudem bieten wir auch keine eigenen Produkte an. Sicherheit steht für uns an oberster Stelle. Dies gilt nicht nur bei der Führung des Unternehmens, sondern auch bei unserer Anlage- und Finanzierungstätigkeit. Wir orientieren uns konsequent an unseren Leitwerten wie Unabhängigkeit, Stabilität, Transparenz und Nachhaltigkeit. Elementar im Umgang mit unseren Kundinnen und Kunden sind für uns erstklassige Dienstleistungen, eine zuverlässige Beratung und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit.

 

Seit wann ist Ihr Institut im Hypothekargeschäft tätig?

Maerki Baumann hat jahrelange Erfahrung im Hypothekargeschäft. Während wir uns in der Vergangenheit auf die Finanzierung der Eigenheime unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter konzentriert hatten, bieten wir seit Herbst letzten Jahres auch unseren Kunden Hypothekarlösungen an. Dabei stützen wir uns nicht nur auf unsere bankeigenen Kompetenzen, sondern erschliessen für unsere Kunden auch ein professionelles Netzwerk von externen Immobilien- und Hypothekarspezialisten.

 

Herr Staffelbach, welche Art von Eigenheimen finanzieren Sie?

Markus Staffelbach: Wir finanzieren ausschliesslich privates Wohneigentum und Mehrfamilienhäuser in der Schweiz. Aus Risikoüberlegungen verzichten wir auf Baulandfinanzierungen und Baukredite. In den meisten Fällen beziehen unsere Kunden – neben dem Angebot im Hypothekarbereich – auch Dienstleistungen im Bereich der Anlageberatung und Vermögensverwaltung.

 

Wie sehen Sie die Zinsentwicklung?

Dr. Stephan A. Zwahlen: Wir gehen davon aus, dass die Zentralbanken frühestens gegen Ende 2010 einen restriktiveren Kurs einschlagen werden. Ein wichtiger Einflussfaktor ist in diesem Zusammenhang – neben der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung – sicherlich die globale Arbeitsmarktsituation. Solange die Arbeitslosenraten auf einem relativ hohen Niveau verharren, werden die Zentralbanken kaum höhere Zinsen zulassen. Konkret sehen wir bei den kurzfristigen Zinsen für das laufende Jahr einen maximalen Zinsanstieg von 1 %. Die Zinssätze für mittlere und lange Laufzeiten bis 10 Jahre dürften ebenfalls ansteigen, allerdings weniger stark als am kurzen Ende.

 

Sie offerieren Festhypotheken und variable Hypotheken. Wonach richten sich die variablen?

Markus Staffelbach: Die Zinsen für variable Hypotheken richten sich vor allem nach den allgemeinen Gegebenheiten auf dem Geld- und Kapitalmarkt. Natürlich spielt dabei aber auch die Konkurrenzsituation eine zentrale Rolle. Insgesamt liegt der Vorteil der variablen Hypothek darin, dass sich der Zinssatz relativ träge verhält, das heisst, weniger schnell ansteigt oder sinkt als bei anderen Modellen.

 

Darüber hinaus bieten Sie auch LIBOR-Hypotheken an. Worum handelt es sich dabei?

Beim LIBOR (_London Interbank Offered Rate_) handelt es sich um den täglich publizierten Geldmarktzinssatz, der bei Ausleihungen zwischen den Banken gilt. Der Zinssatz einer LIBOR-Hypothek basiert auf diesem Referenzzinssatz, zuzüglich einer fixen Zinsmarge. Er ist somit für den Kunden sehr transparent. Wir offerieren Laufzeiten von drei und sechs Monaten, das heisst, alle drei bzw. sechs Monate wird der Zinssatz der LIBOR-Hypothek dem aktuell gültigen Marktzins angepasst. Die Finanzierungskosten für den einzelnen Kunden ändern sich damit je nach Marktumfeld.

 

Operieren Sie mit Minimal- resp. Maximalbeträgen für Hypotheken?

Dr. Stephan A. Zwahlen: Wir bewegen uns normalerweise in Finanzierungsgrössen zwischen CHF 200'000 und rund CHF 4 Mio. In Einklang mit unserer Philosophie beurteilen wir jeden Antrag individuell und vor dem Hintergrund der gesamten Kundenbeziehung. Diese umfasst in der Regel auch die Anlageberatung und die Vermögensverwaltung, was uns zusätzliche Flexibilität ermöglicht.

 

Sie bieten auch Vermögensverwaltungsmandate mittels indirekten Immobilienanlagen an. Was versteht man darunter?

Indirekte Immobilienanlagen in der Schweiz sind eine attraktive Vermögensklasse mit stabiler Wertentwicklung und hohen laufenden Erträgen. Wir verfügen über ein spezialisiertes und sehr erfahrenes Team, das institutionellen und privaten Kunden Vermögensverwaltungsmandate in diesem Bereich anbietet. Dabei handelt es sich in erster Linie um im Inland kotierte Immobilienfonds und Immobilienaktien. Mittels eines systematischen Anlageprozesses und klar festgelegten quantitativen und qualitativen Beurteilungskriterien stufen wir die Qualität der einzelnen Anlagen ein. Zusammen mit dem jeweiligen Bewertungsniveau ergibt sich daraus schliesslich die Portfoliogewichtung für die einzelnen Instrumente.

 

Glauben Sie an eine Abschwächung der Immobilienpreise im Privatbereich in den kommenden Monaten, und wie beurteilen Sie die Preisentwicklung an der «Goldküste»?

Markus Staffelbach: Neueste Studien zeigen, dass Preiskorrekturen in Regionen wie Zürich, Genferseeregion und Südschweiz zunehmend wahrscheinlich werden; so beispielsweise im Bereich der Liebhaber- und Luxusobjekte. Dies insbesondere mit dem mittelfristigen Trend hin zu steigenden Zinsen und dem jüngsten Rückgang der Zuzüge aus dem Ausland. Allerdings rechnen wir nicht mit dramatischen Korrekturen.

 

Man spricht immer von den Schweizern als ein Volk von Mietern. Teilen Sie diese Meinung?

Die Statistiken bestätigen diese Aussage. Im Jahr 2000 lag die Wohneigentumsquote in der Schweiz bei rund 35 %. Als Folge des Baubooms der letzten Jahre dürften es heute einige Prozentpunkte mehr sein, was allerdings die Verhältnisse nicht erheblich verändert. Italien weist eine Quote von rund 73 % auf, während in Deutschland rund 43 % der Bevölkerung im Besitz ihrer eigenen vier Wände sind. Gründe für diesen Umstand sind unter anderem die im Vergleich zum Einkommen eher hohen Preise für Wohneigentum und die konservativen Grundsätze bei der Gewährung von Hypotheken. So müssen in der Schweiz bspw. 20 % des Kaufpreises durch eigene Mittel finanziert werden. Das liegt deutlich über den Anforderungen in anderen Märkten. 

 

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