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Von hier aus gehen die Urlaubsträume auf Reisen.

V.l.n.r.: Daniel Montani (Marketing & Verkauf), Simone Ruckli-Flühmann (Kundenbetreuerin), Markus Flühmann (CEO & Inhaber).

König der Schwergewichte

«USA/Bahamas» wiegen 35 Tonnen, fast 50 Tonnen «Spanien/Portugal». Der Zürcher Markus Flühmann hat sich mit seinem Logistikunternehmen auf den Versand von Reisekatalogen spezialisiert und weiss, mit der gewichtigen Post umzugehen.


Von Urs Huebscher


 Auch in diesem Jahr wird das Unternehmen Markus Flühmann AG aus Merenschwand wieder 15 Millionen Reisekataloge in die ganze Schweiz versenden. Die Firma trotzt damit dem seit Jahren vorhergesagten Niedergang der klassischen Form der Ferieninformation, die durch entsprechende Angebote im Internet abgelöst werden sollten. «Eine Reise kann man schliesslich nicht Probe fahren oder Probe trinken», sagt Markus Flühmann. «Auch der Download im Internet dauert noch immer viel zu lange. Richtige Ferienemotionen lassen sich nach wie vor nur mit einem Katalog kreieren.»
Bis Mitte der Achtzigerjahre war es noch Gang und Gäbe, dass zahlreiche Reise-Veranstalter ihre eigenen Kataloge mit dem eigenen Lastwagen in die Reisebüros lieferten – zum Leidwesen der Reisebüros. «Sie wurden fast irre, als jeden Tag ein neuer Lastwagen vorfuhr und den Eingang versperrte, um Kataloge abzuladen», sagt Markus Flühmann. Sein Aufstieg zum erfolgreichsten Logistiker der Reisebranche erfolgte vor 20 Jahren, als sich der Kuoni-Konzern für das Outsourcing des Versandes seiner gesamten Schweizer Katalog-Palette entschied.

Effizienter und günstiger Versand
Flühmann wird seither auch gerne als Katalog-König der Schweiz bezeichnet, denn er hat sich mit seiner einfachen wie innovativen Idee eines effizienteren Versandes eine monopolartige Stellung in der Schweiz verschafft. Rund 90 Prozent aller Reisekataloge werden in den zwei Logistik-Zentren gelagert und von dort aus ins ganze Land verschickt. Abgerundet wird dieser Versand durch die Distribution von weiteren Reisedokumenten, etwa 79 000 Kilogramm Flugbillete, Hotelvoucher und andere Reiseunterlagen pro Jahr. Für ihre Kunden übernimmt das Unternehmen die gesamte Lagerlogistik, also die treuhänderische Verwaltung der abrufbaren Lagerartikel. Zur Abwicklung dieser Verwaltung steht eine Online-Bestell-Plattform zur Verfügung. Pro Tag werden etwa 2500 Pakete mit 11 000 bestellten Artikeln versendet.
Als Markus Flühmann im Versand, der seiner Meinung nach zuvor ökologisch und ökonomisch unsinnig gehandhabt wurde, eine Nische witterte, kaufte er sich für 12 000 Franken einen IBM-Computer. Er baute diesen zusammen und schrieb mit einem Freund ein Programm für Prospekt-Kalkulationen. Seine Idee war es, dass die Veranstalter ihre Kataloge zusammen zu den Reisebüros transportieren lassen sollten, um auf diese Weise den Versand effizienter und günstiger zu gestalten. Heute nehmen grosse und kleine Veranstalter, von Aaretal Reisen über Hotelplan bis Kuoni, die Dienste seiner Firma in Anspruch.

Über die Reisebranche hinaus
Die Kataloge werden direkt aus den Druckereien ins Logistik-Zentrum geliefert, wo sie dann gemäss Bestellung der Reisebüros in Lastwagen gepackt und ausgeliefert werden. Aber auch Endkunden, die sich beispielsweise einen Katalog von der Hotelplan- oder Kuoni-Webseite bestellen, kommen nicht an Flühmann vorbei: «Diese Bestellungen werden ebenfalls bei uns ausgeführt», sagt Flühmann, «und der passende, unterschriebene Hotelplan- oder Kuoni-Brief wird gleich beigelegt.»
Mittlerweile sind Unternehmen auch über die Reisebranche hinaus auf die Kompetenz der Firma aufmerksam geworden. Eine Schweizer Grossbank etwa lässt den Versand ihrer Finanzbroschüren von der Firma handhaben, oder Emmi ihre Merchandise-Artikel. «Der Hauptgrund für die Öffnung gegenüber anderen Branchen liegt darin, dass in der Reiseindustrie für uns irgendwann kein Wachstum mehr möglich war», sagt Markus Flühmann. «Zudem wollten wir das Risiko der Branchenabhängigkeit reduzieren.» Noch immer macht die Reisebranche aber rund 46 Prozent des Umsatzes aus.

Eine Schwäche für Kreuzfahrten
Im Unternehmen arbeiten 49 Festangestellte und bis zu 15 kurzfristig einsetzbare Mitarbeitende, die sich um die Logistik aller Kunden kümmern. «Unsere Firma ist handorgelfähig», sagt Markus Flühmann. Er selber übrigens auch. Einen Abend pro Woche greift er mit Freunden aus Zürich-Altstetten zum Akkordeon.
Das Katalog-Handling nimmt den Logistik-Profi 50 bis 60 Stunden pro Woche in Anspruch. Aber er findet auch Zeit, die Katalog-Inhalte selbst kennenzulernen: Sechs bis acht Wochen jährlich spannt er aus. Markus Flühmann hat eine Schwäche für Kreuzfahrten und eine Vorliebe fürs Skifahren.
Was die Zukunft des Reisekatalogs angeht, hat der Inhaber eine ganz persönliche Vision. «Der Kunde surft im Web, gibt seine Bedürfnisse wie Datum, Region und Hotelkategorie ein. Anschliessend prüft ein System die Verfügbarkeiten und produziert aus der Datenbank des Veranstalters den personifizierten Katalog.» Es bleibt also bei den Informationen auf Papier, da ist er sich sicher.