
- Giusep Fry

- Giusep Fry und Urs Huebscher
Giusep Fry
Der Uetliberg-König
Kaum ein Zürcher macht so viel von sich reden wie der Uto-Kulm-Besitzer Giusep Fry. Er beschäftigt 115 Mitarbeiter und setzt rund 18 Millionen Franken auf dem Zürcher Hausberg um.
Von Urs Huebscher
attika: Herr Fry, wann haben Sie als Bündner zum ersten Mal vom Zürcher Hausberg gehört?
Giusep Fry: Da war ich 24 Jahre alt und auf der Suche nach einer neuen beruflichen Herausforderung. Ich schaltete ein Stelleninserat in einem Hotelmagazin und pries meine Kenntnisse als Junggastronom an. Ein Unternehmen mit Sitz auf dem Uetliberg meldete sich. Es klappte mit der Anstellung und so wurde ich 1983 Geschäftsführer des Uto Kulm.
Warum kauften Sie 1999 Uto Kulm?
1998 fusionierten die Bankgesellschaft, die damalige Besitzerin des Uetliberg-Betriebs und der Bankverein zur heutigen UBS. Ich sah damals die Zukunft des Uto Kulm gefährdet und unterbreitete der UBS ein Kaufangebot. Nachdem die Stadt Zürich vom Vorverkaufsrecht keinen Gebrauch machen wollte, erhielt ich den Kredit und bin seither Besitzer des 26 000 Quadratmeter grossen Areals.
Sie gehören zu den bekanntesten Gastronomen in der Region Zürich. Worauf führen Sie Ihren Erfolg zurück?
Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort, kenne das Potential der Region und weiss, was es braucht, um erfolgreich zu sein.
Dieser Erfolg hat Ihnen auch Neider eingebracht, wie gehen Sie damit um?
Neid muss man sich erarbeiten, Mitleid bekommt man geschenkt. Ich kann darüber nicht viel sagen. Vom Unternehmerischen her habe ich wohl vieles richtig gemacht. Über 280 000 Gäste im Jahr besuchen den Gastrobetrieb auf dem Uetliberg.
Ihr Viersternhotel Uto Kulm hat 55 Zimmer, es finden viele Hochzeiten und Seminare statt. Wie gross ist Ihr «Einzugsgebiet»?
90 Prozent unserer Gäste kommen vor allem aus Zürich und der Region. Hin und wider haben wir auch internationale Gäste.
Vom 23. bis 28. August findet auf dem Uetliberg das Oktoberfest statt. Gibt es nicht schon genug solcher Anlässe wie beispielsweise im HB oder auf dem Bauschänzli?
Das ist eine berechtigte Frage. Seit zwei Jahren führen wir dieses Oktoberfest durch. Unser Angebot ist sicherlich ähnlich wie das der anderen, aber so lange die Leute kommen...
Wer ist denn eigentlich der typische Besucher des Uetlibergs?
Tagesausflügler, Sonnenanbeter, alle möglichen Leute. Manche kommen jeden Tag hinauf, andere jedes Wochenende, wieder andere mindestens einmal pro Monat, bei denen gehört das einfach zum Jahresprogramm.
Ihre Weinkarte haut einen buchstäblich aus den Socken, Ihr Keller muss ein Vermögen wert sein. Wie rechnet sich das?
Ach, das ist alles so entstanden. 1985 fing ich an, bei einer Firma guten Wein einzukaufen. Ein paar Flaschen hier, ein paar Flaschen da. So ist der Weinkeller gewachsen. Hätte ich damals gewusst, was das alles bedeutet, dann hätte ich wahrscheinlich von bestimmten Jahrgängen 120 Flaschen gekauft und nicht nur zwölf.
Welche Ideen möchten Sie noch auf dem Uetliberg umsetzen?
Da gäbe es noch viel. Zum Beipspiel eine Ganzjahresrodelbahn, einen Tunnel direkt zu uns oder eine Luftseilbahn. Aber das sind Ideen, die sich kaum verwirklichen lassen bei der politischen Lage.
Wie ist der Stand der Dinge heute?
Seit dem 12. Januar 2011 ist das Uto Kulm nicht mehr in der Landwirtschaftszone, sondern in der Naherholungszone. Gestaltungsplan und Nutzungskonzept befinden sich nun in der Endphase und werden voraussichtlich im kommenden Herbst unterschrieben sein.
Dass Sie Unternehmertum vor das Gesetz stellen, stösst Ihren Gegnern sauer auf.
Missgunst ist eine typisch schweizerische Eigenschaft. Seit Jahren kämpfen wir mit den Behörden über jede Kleinigkeit. Schauen Sie, ich könnte ab morgen den Aussichtsturm mit einem «Kässeli» versehen und Eintritt verlangen, er gehört nämlich zum Privateigentum.
Ich lasse die Besucher kostenlos meine Toiletten im Hotel benützen, aber das alles wird von der Öffentlichkeit nicht goutiert. Es ist wahrscheinlich den meisten nicht bewusst, dass dies alles eine Grosszügigkeit unsererseits ist, welche wir uns zum Glück leisten können. Eigentlich könnten wir ab morgen Geld dafür verlangen. Ich könnte das Privatgelände umzäunen, dann wäre alles verschlossen. Mal schauen, was passieren würde. Oder stellen Sie sich vor, es kommt einer daher und kauft das Uto Kulm, macht eine Privatresidenz daraus. Alles wäre zu und eingeschlossen. Das sind Tatsachen, die einmal genannt werden müssen. Vielleicht sollte ich einfach mal eine Woche schliessen und schauen, was passiert, wenn ich auf meinen Privatbesitz poche. Viele glauben nämlich zu Unrecht, das Uto-Kulm-Areal gehöre der Öffentlichkeit.






