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"Meine grösste ­Tugend und mein grösstes ­Laster: Rauchen."

Persönlich: Jubaira Bachmann war die erste Schweizer Moderatorin auf MTV. HipHop faszinierte die Erfolgsfrau schon früh. So ­erlangte sie im Verlauf ihrer Karriere den Ruf der «Swiss Queen Of HipHop». Der Startschuss für ihren Einstieg in die Musikwelt fiel 1997, als sie das Luzerner Magazin «more» mitbegründete. Bis 2005 war Jubaira Bachmann Initiantin und Chefredaktorin bei verschiedenen Magazinen wie etwa «HipHop.ch», «Word Magazin» oder «CHAPTER». 2005 wurde sie Produzentin der «VIVA Chart Show» und der Show «Jubaira», um später den Posten als MTV Schweiz-Musikchefin und dann den Chefsessel von MTV Schweiz zu übernehmen. Das Know-how der Pro-Juventute-­Botschafterin und Musik-Expertin war auch auf anderen Kanälen gefragt: So gab sie ein Gastspiel auf dem Sender 3+ als Jurymitglied bei der Castingshow ­«Superstar». Die MTV Networks Schweiz AG sendet Musik-, Entertainment- und Lifestyle-TV-Formate und betreibt den eigenen Kindersender Nickelodeon. Die Tochter des US-Konzerns ­Viacom wurde 2009 gegründet, und beschäftigt in der Schweiz derzeit noch 24 ­Mitarbeiter.

Jubaira Bachmann
«Queen of Music»

 

Seit Jahren ist sie das ­Gesicht von MTV und VIVA. Die 33-Jährige mit philippinischen Wurzeln ist aus dem Musikfernsehen nicht mehr wegzudenken. – Und doch wird ab nächstem Jahr alles anders.


Von Urs Huebscher

Seit ihrem ersten Auftritt am Bildschirm 1999 ist Jubaira Bachmann bei MTV/VIVA nicht mehr wegzudenken. Sie leitete die VIVA Charts Redaktion und ist für einen grossen Teil der In-House-Produktionen verantwortlich. 2007 übernahm sie das Musik-Management und wurde Head Of Music von VIVA Schweiz. Seit drei Jahren ist sie Sender-Chefin von MTV Schweiz. Vor kurzem feierte sie ihr elfjähriges Jubiläum. Ein Zwölftes wird es nicht geben, denn MTV wird ab nächstem Jahr in der Schweiz nur noch eine Verkaufsabteilung haben.

attika: Frau Bachmann, soeben erfuhren wir von den Veränderungen. Was bedeutet das für Ihre berufliche Karriere?
Jubaira Bachmann: Bis Ende 2011 bleibe ich Sender-Chefin und werde auch noch bis Mitte 2012 «Brandneu» weiter moderieren. Dann werde ich eine Consulting-Firma im Bereich Musik, Entertainment und Lifestyle gründen.


Sie bleiben dem Musik-Business also treu. Was ist Ihr bisheriger Karriere-Höhepunkt?
In jedem Stadium hatte ich bisher einen Höhepunkt. Ich darf mich glücklich schätzen, dass es immer wieder eine Stufe höher ging. Als ich damals für Swizz Music Television als Moderatorin und Redaktorin begann, war es ein Höhepunkt für mich, für CNN eine Sendung über das Montreux Jazz Festival zu moderieren. Ein weiterer Meilenstein war sicherlich, als ich Music-Chefin wurde oder vor drei Jahren zur Sender-Chefin befördert wurde.


Welche Person ist für Sie ein persönliches Vorbild?
Meine beste Freundin Katarina. Ich bewundere Tag für Tag, wie super sie mein Patenkind Liam erzieht. Beruflich bewundere ich Shawn Corey Carter, besser bekannt als Jay-Z, wegen seines «Rags to riches»-Aufstiegs in der Musikindustrie.


Was ist das Wichtigste in Ihrem Leben?
Dass ich so sein kann, wie ich bin, und Menschen, die mir nahe stehen, bei mir habe. Dafür würde ich alles aufgeben.


Wie würden Sie sich beschreiben?
Jubaira Bachmann: Ehrgeizig, streng, aber fair.


Was bringt Sie zum Ausrasten?
Wenn ich zehnmal etwas sagen muss, bis mein Gegenüber es begriffen hat, dann kann ich schon ausrasten. Oder bei Unwahrheiten, wenn man mir ins Gesicht lügt. Dann kann ich ungemütlich werden. Mein Spitzname war «The Dragoness», als ich noch als Chef-Redaktorin bei diversen Music-Magazinen tätig war. Das spricht für sich, hat jedoch zwei süsse «s» dran...


Was ist Ihnen an anderen Menschen besonders wichtig?
Ehrlichkeit, diese belohne ich auch mit Loyalität.


Haben Sie manchmal das Gefühl, etwas verpasst zu haben im bisherigen Leben?
Nicht einen Tag. Ich würde alles wieder genauso machen.


Spüren Sie Ihre philippinischen Wurzeln noch?
Ja klar, es sind halt schon zwei verschiedene Kulturen. Die Philippinen sind nach wie vor ein Drittwelt-Land. Aber ich bin stolz auf meine Wurzeln. Jedes Mal, wenn ich dort bin, öffnet es einem die Augen und relativiert alles gegenüber der Schweiz. Ohne diese Wurzeln wäre ich nicht ich. Aber es ist ein Teil von mir, und wenn ich auf die Philippinen reise, um meine Verwandten zu besuchen, ist es so, als würde ich nach Hause kommen.


Öffnet die Bekanntheit Tür und Tor zu bestimmten Dingen?
Ja, auf jeden Fall, wenn es nicht so wäre, würde ich lügen. Für eine gewisse Bekanntheit werden Türen geöffnet. Die Frage ist, was man mit der offenen Türe macht und ob man sie offen behalten kann. Da gehören der Mensch und sein Können dazu, um dies zu erreichen. Ich hatte jetzt mein elfjähriges Jubiläum und habe soviel Leute gesehen, die gekommen und gegangen sind... Ich glaube viele Schweizer Promis machen den Fehler, zu glauben, wenn sie etwas erreicht haben, dass sie nichts mehr tun müssen.


Welche Rolle spielt Geld in Ihrem Alltag?
Ich bin eine Frau und brauche ein 15-Quadratmeter-Kleider-Zimmer. Ich habe eine Schwäche für Schuhe, Taschen und vieles mehr. Man will sich das einfach leisten. Ist aber schon auch Mittel zum Zweck. Aber nicht: «Koste es, was es wolle.» Ich pflege einfach einen gewissen Lebensstandard.


Wofür geben Sie viel Geld aus?
Wie gesagt, ich habe einen Tick für Schuhe und Taschen. Auch wenn es oberflächlich ist. Das ist einfach mein Tick und dazu stehe ich. Aber auch für mein Gottenkind gebe ich sehr viel aus.


Was bedeutet für Sie Glück?
Mit mir selber zufrieden zu sein. Dass ich nicht vom Weg abkomme und man sich selber nicht verliert.


Wo treffe ich Jubaira privat?
Ich wohne ja mitten im «Chreis Cheib». Fühle mich aber sehr wohl in diesem Umfeld mit all den Bars und Clubs. Beispielsweise habe ich den Plausch am Volkshaus, aber auch am Apartement 22 etc... Ich verkehre in zahlreichen Lokalen.


Wie verwöhnen Sie sich kulinarisch?
Verwöhnen heisst für mich: Kalorien ignorieren. Also zu essen, was ich mag. Ich kann nicht leben ohne Fleisch! Wenn man mir Fleisch wegnimmt, werde ich sauer...


Welche Ausbildung würden Sie nachholen, wenn Sie die Möglichkeit dazu hätten?
Ich wollte gerne Geschichte studieren, durfte aber nicht. Mein Vater hielt die Vergangenheit nun einmal nicht für ­zukunftsträchtig.


Was gefällt Ihnen an Ihrer aktuellen Arbeit?
Die Vielseitigkeit. Dass ich mein Hobby zum Beruf machen konnte. Die Kombination aus Musik-Schaffen und Musik-Leben. Und dass ich in einem professionellen Umfeld kreativ sein kann.


Was würden Sie als Ihren grössten beruflichen Erfolg bezeichnen?
Dass ich Sender-Chefin wurde und wir ein Superjahr hinter uns haben.


Wie viele Stunden arbeiten Sie durchschnittlich pro Tag?
Zehn bis zwölf Stunden.


An welchem Ort können Sie am besten arbeiten, und warum?
Am liebsten zu Hause zwischen 7 und 11 Uhr, denn da bin ich am effizientesten.


Wann und was für Musik hören Sie persönlich?
Irgendwas läuft immer! Ich höre ständig Musik, morgens beim Aufstehen, im Auto, bei der Arbeit – ohne geht es einfach nicht. Das Genre reicht von HipHop über Disco bis hin zu Soul.


Wann bereitet Ihnen Ihre Berufstätigkeit Bauchschmerzen?
Nach zehn Kaffees und einer endlosen Sitzung.


Worüber ärgern Sie sich immer wieder im beruflichen Alltag?
Ich ärgere mich über unnötige Fragen. Und ich spare mir dann unnötige Antworten.


Welche Eigenschaften schätzen Sie am meisten an Ihren Mitarbeitenden?
Ihren Sarkasmus!


Welche Netzwerke nutzen und pflegen Sie beruflich?
MTV Networks, Smallworld, Facebook und Twitter.


Was stört Sie am meisten als Schweizer Staatsbürgerin?
Dass ich nicht mehr rauchen kann, wo ich möchte.


Ihre grösste Tugend?
Rauchen.


Ihr grösstes Laster?
Rauchen.


Ihr Lieblingsbuch?
Der Pate 1.


Ihr Lieblingsfilm?
Ebenfalls «Der Pate 1» von Francis Ford Coppola.
Ich liebe kriminalistische Filme.


Was kaufen Sie selber ein – und wo tun Sie dies?
Gemüse etc. kaufe ich immer freitags auf dem ­Wochenmarkt beim Helvetiaplatz ein.

 

Welches persönliche Ziel möchten Sie noch erreichen?
Zwei Zimmer mit Schuhen und ­Taschen füllen. Nein, im Ernst, es wäre schön irgendwann mal eine Familie zu gründen. Aber das hat noch Zeit.



Wäre Zürich eine Person, wie würden Sie diese charakterisieren?
Zürich ist aufregend mit vielen verschiedenen Charakteren, welche sehr schnell wechseln – fast schon ein wenig schizophren, aber sympathisch. Und herzig, weil sie so kompakt ist.


Können Sie unerkannt auf die Strasse gehen?
Ja sicher, ich bin ja keine Jennifer Lopez.


Wie gehen Sie damit um, dass private Angelegenheiten durch die Medien in die Öffentlichkeit getragen werden?
Die Presse macht eben ihren Job und man muss sich halt finden. Es ist irgendwie auch ein Geben und Nehmen. Man muss nur miteinander reden.


Was ist für Sie ein guter Tag?
Ein Tag, an dem ich den Sonnenuntergang mit einem Glas Wein, Soul und einer Zigarette geniessen kann.


Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?
An der Spitze meines eigenen Unternehmens oder als Mami und Ehefrau. Oder beides! Mal schauen...